Womöglich keine Zuschläge mehr für kranke Hartz-IV-Empfänger

München (AFP) — Rund 100.000 Empfänger von Sozialhilfe und Hartz IV mit Krankheiten wie Diabetes müssen offenbar mit der Streichung von Zuschlägen für erhöhte Ernährungskosten rechnen. Dies empfiehlt die Dachorganisation der Wohlfahrtsverbände, der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" vorab. Bei Diabetes, erhöhten Fettwerten und anderen Volkskrankheiten sei "nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keine Diät erforderlich" und eine gesunde Ernährung ausreichend, begründete Geschäftsführer Michael Löher. Diese sei mit Hartz IV und Sozialhilfe zu finanzieren, "wenn äußerst sparsam gewirtschaftet" werde.

Laut "Focus" richten sich die Behörden im Allgemeinen nach den Empfehlungen des Vereins. Dieser hält dem Bericht zufolge Zuschläge bei Niereninsuffizienz und Gluten-Unverträglichkeit weiterhin für gerechtfertigt. Im Einzelfall gelte dies auch bei Krebs, Multipler Sklerose, Darmerkrankungen und Aids.

Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf eine repräsentative Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg weiter berichtet, ist fast ein Fünftel der Hartz-IV-Empfänger eigenen Aussagen zufolge zu arm, um sich ausreichend mit Winterkleidung einzudecken. Demnach sagten 82 Prozent der knapp 9400 befragten Hartz-IV-Empfänger, sie könnten sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Verzichten müssen 61 Prozent eigenen Angaben zufolge auch auf Kinobesuche, ein Auto (47 Prozent) und rezeptfreie Medikamente (20 Prozent). Acht Prozent haben Probleme, ihre Nebenkosten pünktlich zu zahlen. Bei sechs Prozent reicht es nicht für eine warme Mahlzeit am Tag.

"Hinsichtlich elementarer Dinge wie Wohnung, Kleidung und Ernährung sind die Versorgungslücken bei Hartz-IV-Empfängern vergleichsweise klein", sagte Studienleiter Bernhard Christoph. Insofern könne das "Sicherungsziel des Arbeitslosengeldes II als erreicht angesehen werden". Mehr als die Grundversorgung mit dem materiell Notwendigsten sei für viele Hartz-IV-Bezieher jedoch nicht drin. "Eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben bleibt den meisten verwehrt", ergänzte Christoph.

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