HNO-Ärztin wegen Hygiene-Skandal in Ravensburg vor Gericht

Sigmaringen (AFP) — Rund 1800 Patienten einer HNO-Ärztin aus dem Raum Sigmaringen in Baden-Württemberg müssen sich auf Aids und Hepatitis untersuchen lassen, weil die Ärztin sie mutmaßlich mit nicht ausreichend desinfizierten Spritzen anderen Geräten behandelt hat. Nach Angaben des Landgerichts Ravensburg vom Freitag muss sich die 56-jährige Uta S. deshalb ab Ende November wegen des Verdachts der Körperverletzung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten. Die Anklage wirft der Anthroposophin und Homöopathin insgesamt 2282 Einzeltaten vor, darunter knapp 700 unzulässige Eigenblutbehandlungen.

Nach Angaben des Landkreises Sigmaringen hatte eine ehemalige Artzhelferin der Angeklagten im Mai 2007 erstmals auf die schwerwiegenden hygienischen Mängel aufmerksam gemacht. Bei einer damaligen Kontrolle seien zwar "hygienische Misstände" festgestellt worden. Der Vorwurf, dass Spritzen mehrfach verwendet worden seien, habe damals nicht bestätigt werden können.

Das Landratsamt forderte gleichwohl vor wenigen Tagen mehr als 1800 Patienten, die etwa Injektionen oder Infusionen erhalten haben, auf, sich auf Aids und Hepatitis untersuchen zu lassen. Bislang gebe es aber keine Anhaltspunkte für einen Anstieg von Fällen übertragbarer Virus-Erkrankungen im Landkreis. Laut Anklage ist zumindest von einem Patienten bekannt, dass er wenige Tage nach einer Infusion über Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen geklagt hatte.