Merkel mit internationalem Karlspreis ausgezeichnet

Aachen (AFP) — Für ihre Verdienste um die Einigung Europas und die Vorbereitung des EU-Reformvertrags von Lissabon hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den internationalen Karlspreis erhalten. Vor rund 900 Gästen nahm Merkel die Auszeichnung im Krönungssaal des Aachener Rathauses von Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) entgegen. Als die EU-Verfassung an Referenden in Frankreich und den Niederlanden scheiterte und der Reformvertrag vorbereitet wurde, habe Merkel in "langen Tagen und Nächten der Verhandlung nie aufgegeben", sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in seiner Laudatio.

Merkel habe einen "herausragenden Beitrag zur Überwindung der Krise der EU" geleistet, heißt es in der Begründung für die Preisverleihung. Die Kanzlerin habe sich durch ihr "integrierende" und "zielorientierte Verhandlungsführung" um die "Vertiefung der europäischen Integration" verdient gemacht.

In seiner Laudatio sagte Sarkozy, er habe "viel von Angela Merkel gelernt". Die Regierungen in Deutschland und Frankreich seien nach dem Zweiten Weltkrieg ihrer "geschichtlichen Verantwortung" gerecht geworden, die Länder seien nach Jahrhunderten der Feindschaft "Freunde" geworden. "Einen Graben zwischen Deutschland und Frankreich darf es nicht geben", fügte Sarkozy hinzu, Merkel und er seien auch persönlich "ein harmonisches Paar".

In ihrer Dankesrede pries Merkel das europäische Gesellschaftsmodell. "Weil wir von unseren Werten überzeugt sind, ist es das verpflichtende Erbe für unsere Politikergeneration, für unser Gesellschaftsmodell in der Welt zu werben", sagte die Kanzlerin. Sie sehe im Karlspreis "keine Lorbeeren, auf denen ich mich etwa ausruhen könnte", sondern wolle dazu beitragen, "unser Haus Europa wohnlich, sturmfest und gastfreundlich zu machen".

Linden dankte der Kanzlerin dafür, dass sie im September 2007 den Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, empfangen hatte. Die Europäische Union müsse "verdeutlichen, dass Außenpolitik zugleich Friedenspolitik" sei, sagte Linden, das Treffen Merkels mit dem Dalai Lama sei ein "wichtiges Signal".

An dem Festakt nahmen eine Vielzahl früherer Preisträger teil, darunter Spaniens König Juan Carlos I. Der Karlspreis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern zählen die CDU-Kanzler Konrad Adenauer (1954) und Helmut Kohl.

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