Hamburg (AFP) — Der Wissenschaftsrat stellt der Lehre an den deutschen Hochschulen ein schlechtes Zeugnis aus. Für dringende Verbesserungen seien 1,104 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf eine Stellungnahme des wichtigsten Beratungsgremiums der deutschen Wissenschaftspolitik. Die Experten von Bund, Ländern und Wissenschaftsorganisationen kritisieren darin unter anderem die Qualifikation der Professoren: Die Hochschullehrer seien "weitgehend Autodidakten" und bedürften einer "professionell durchgeführten Aus- und Weiterbildung".
Wie das Magazin weiter berichtet, sollen mit der Milliardensumme nach den Vorstellungen des Wissenschaftsrats unter anderem mehr Professorenstellen geschaffen werden, insbesondere in den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Für diese Fächer fordere der Wissenschaftsrat einen Zuwachs um 33 Prozent, in anderen Fächern um zehn Prozent.
In seiner Stellungnahme bekräftige der Wissenschaftsrat zugleich seine Forderung nach Lehr-Professoren, die zwölf Stunden pro Woche statt der üblichen acht oder neun Stunden unterrichten müssen. Nach Einschätzung des Wissenschaftsrats werde der Lehre an den Universitäten viel zu wenig Beachtung geschenkt. "Selbst eine offensichtliche Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung wird allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert", heißt es laut "Spiegel" in dem über hundert Seiten dicken Dokument.
Noch immer hänge die Karriere eines Wissenschaftlers fast ausschließlich von seinen Forschungsleistungen ab: "Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen."
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