Pischetsrieder wußte angeblich nichts von Lustreisen

Braunschweig (AFP) — Im VW-Korruptionsprozess hat der ehemalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder jede Kenntnis der Finanzierung von Lustreisen des Betriebsrates bestritten. Auch mit seinem Vorgänger Ferdinand Piëch habe er "über derartige Dinge niemals gesprochen", sagte Pischetsrieder vor dem Landgericht Braunschweig als Zeuge im Verfahren gegen den früheren Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert und den Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer. In dem Prozess zeichnete sich eine Verkürzung ab. Zudem gab es Hinweise, dass der schwerwiegendste Vorwurf gegen Volkert - die Anstiftung zur Untreue durch Sonderbonuszahlungen - nicht zu einer Verurteilung führen könnte.

Im Anschluss an ein rechtliches nichtöffentliches Gespräch des Gerichts mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern teilte ein Gerichtssprecher am Abend mit, es sei eine "Standortbestimmung" vorgenommen worden. Die Kammer wolle schon bei der Verhandlung am Mittwoch einen "rechtlichen Hinweis" zum Komplex der Sonderbonuszahlungen geben.

Weil er diese Zahlungen von insgesamt knapp zwei Millionen Euro vom damaligen Personalvorstand Hartz gefordert haben soll, ist Volkert wegen Anstiftung zur Untreue und Anstiftung zu Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz angeklagt. Darüber hinaus rechnet ihm die Staatsanwaltschaft auch an, er habe für Lustreisen sowie zur Finanzierung seiner Freundin weitere Zahlungen von 700.000 Euro veranlasst.

Pischetsrieder sagte als Zeuge, ihm seien die Zahlungen über ein Spesenkonto erst im Juni 2005 bekannt geworden. Er habe davon im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den Personalmanager Gebauer und den Skoda-Vorstand Helmuth Schuster erfahren. Pischetsrieder betonte, er habe daraufhin neben der Revision umgehend auch externe Wirtschaftsprüfer eingeschaltet, um die Vorgänge auf dem Spesenkonto zu überprüfen. Vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz wurde Pischetsrieder nach eigenen Angaben nur allgemein darüber unterrichtet, dass Volkert "wie ein Topmanager" bezahlt wurde. Dies hatte vor einer Woche auch der frühere VW-Chef und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch ausgesagt.

Auch der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler bestritt als Zeuge wie alle zuvor gehörten Topmanager jedes Mitwissen an der Korruptionsaffäre. Er war bis zu dessen Wechsel in den Aufsichtsrat im Jahr 2002 Büroleiter des damaligen Vorstandschefs Piëch.