DIHK: Bundesweit sind noch tausende Lehrstellen zu haben

Berlin (AFP) — Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs suchen viele Unternehmen noch immer Lehrlinge: Bundesweit sind tausende Lehrstellen frei, wie aus einer Statistik des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervorgeht. Stichproben des DIHK ergaben, dass sich die Zahl der freien Lehrstellen im Vergleich zu 2007 in Gera um 200 Prozent und in Erfurt sogar um 245 Prozent erhöhte. DIHK-Ausbildungsexperte Thilo Pahl sagte, gesucht würden Azubis vor allem in der Banken- und Versicherungsbranche, in der Gastronomie und für Metallberufe.

Bei der DIHK Erfurt waren Mitte Juli 1102 freie Lehrstellen vor allem in der Gastronomie und den Metallberufen registriert, wie aus der auf Stichproben basierenden DIHK-Erhebung hervorgeht. Dem DIHK zufolge ist dies ein Zuwachs um 245 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Gera mit 180 Ausbildungsstellen lag der Zuwachs bei rund 200 Prozent - auch hier wurden vor allem Azubis für Metallberufe gesucht. Berlin hatte demnach noch 1519 Stellen (+33 Prozent) für Azubis zu bieten, Ulm 700 (+25 Prozent) und Cottbus 465 (+75 Prozent).

DIHK-Ausbildungsexperte Pahl sagte, Grund für die hohe Zahl an freien Lehrstellen sei einerseits ein Bewerbermangel, andererseits aber auch die mangelnde Qualifikation von Bewerbern. In der Gastronomie fehle es vor allem an interessierten Bewerbern. Viele gastronomische Betriebe auf dem Land bekämen bereits gar keine Bewerbungen mehr. Im Banken- und Versicherungswesen sowie in den Metallberufen scheiterten Interessenten dagegen immer wieder am geforderten Profil.

So schauten Personalchefs bei Banken und Versicherungen auf die Mathematik- und Deutschnoten, darüber hinaus seien aber auch persönliche Eigenschaften der Bewerber wie etwa ein freundliches Wesen, Disziplin und ein kundenorientiertes Auftreten wichtig. In Metallberufen wiederum sei die Mathematiknote "alles entscheidend". Unternehmen könnten auch "kein Auge zudrücken", wenn es um derartige Qualifikationen gehe, sagte Pahl.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Nele Hirsch, erklärte, von Entwarnung auf dem Ausbildungsmarkt könne keine Rede sein. "Fast 400.000 Jugendliche suchen seit mehr als einem Jahr nach einem Ausbildungsplatz. Einige tausend freie Lehrstellen könnten über die noch immer bestehende Ausbildungsplatzlücke nicht hinwegtäuschen.