Streiks der Lokführer ab Montag wahrscheinlich
Berlin (AFP) — Bahnkunden müssen zum Wochenbeginn vermutlich mit erneuten Streiks der Lokführer rechnen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es Montag, Dienstag und Mittwoch Streiks geben wird, ist sehr hoch", sagte der Vizechef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, dem "Tagesspiegel". Die GDL werde kurzfristig entscheiden und zugleich "intensiv" auf das öffentliche Meinungsbild schauen. Im Gegenzug forderte die Deutsche Bahn AG die GDL erneut zu Verhandlungen auf. "Die GDL-Funktionäre müssen endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben und mit dem DB-Vorstand über unser gutes und faires Angebot verhandeln", erklärte Konzernsprecher Oliver Schumacher.
Weselsky kündigte eine härtere Gangart der GDL in dem Tarifstreit an. "Es muss eine Zeit geben, in der wir den Druck deutlich erhöhen. Allein mit Streiks im Nahverkehr ist das nicht zu schaffen." Die Bahn-Kunden hätten überwiegend Jahres- und Monatskarten, deshalb halte sich der Schaden für die Bahn in Grenzen. Er hoffe, dass die GDL nach einem Termin beim Landesarbeitsgericht Sachsen in der kommenden Woche auch im Fern- und im Güterverkehr in den Ausstand treten könne. "Wir sind in der Lage, einen sehr langen und intensiven Arbeitskampf zu führen", sagte der GdL-Vizechef.
Hingegen kritisierte Bahn-Sprecher Schumacher, statt zu verhandeln falle Weselsky "nichts anderes ein als immer nur Nein zu sagen und nach der Politik zu rufen".
Der Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) bezeichnete derweil den von der GDL geforderten eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer als nicht wünschenswert. "Ansonsten bricht ein Forderungswettbewerb unter den Gewerkschaften aus, der sich nicht mehr an der realen wirtschaftlichen Leistungskraft der Betriebe orientiert", sagte Friedrich dem "Focus". Bahn-Chef Hartmut Mehdorn müsse aber den Lokführern innerhalb des bestehenden Tarifgefüges noch ein Stück entgegen kommen.
Der Vorsitzende der mit der GDL konkurrierenden DGB-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, vermutete unterdessen, dass der in Kur weilende GDL-Chef Manfred Schell nicht mehr das Sagen in der Lokführergewerkschaft habe. "Man muss den Eindruck haben, dass sich Herr Schell schon verabschiedet hat", sagte Hansen dem "Focus". "Bei der GDL hat jetzt offensichtlich Herr Weselsky die Hosen an."

