Berlin (AFP) — Die deutschen Apotheker haben vor der zunehmenden Zahl gefälschter Medikamente und ihren gefährlichen Folgen für Verbraucher gewarnt. An die Kunden gerate die illegale Ware unter anderem über dubiose Internetanbieter, erklärte die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalene Linz, am Mittwoch in Berlin. Der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) zufolge ist im illegalen Internethandel jedes zweite Produkt gefälscht - die Medikamente enthalten etwa eine zu niedrige Wirkstoffdosis, haben ungeahnte Nebenwirkungen oder ihr Verfallsdatum ist bereits abgelaufen. Der Versandhandel deutscher Apotheken ist laut Linz sicher.
"Gefälschte Arzneimittel stellen ein hohes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar", betonte DPhG-Präsident Manfred Schubert-Zsilavecz. Nach Angaben der EU-Kommission gingen dem Zoll 2006 an den europäischen Grenzen 2,7 Millionen Packungen gefälschter Medikamente ins Netz - das sei im Vergleich zu 2005 ein rasanter Zuwachs um 384 Prozent, betonte Schubert-Zsilavecz. Allein an den Flughäfen Frankfurt, München und Köln-Bonn habe der Zoll im vergangenen Jahr in rund 3200 Fällen gefälschte Medikamente beschlagnahmt. Auch dies sei ein deutlicher Anstieg im Vorjahresvergleich. Die Weltgesundheitsorganisation sagte laut Schubert-Zsilavecz für das Jahr 2010 einen weltweiten Umsatz mit gefälschten Medikamenten von umgerechnet gut 48 Milliarden Euro voraus.
Der DPhG-Präsident warnte, gefälschte Arzneien könnten giftige Inhaltsstoffe enthalten oder auf gefährliche Weise verunreinigt sein. Oft nämlich würden für die Medikamentenfälschungen aus billigen Ausgangsstoffen und unter unhygienischen Bedingungen hergestellt. Während früher vor allem sogenannte Lifestyle-Arzneien - zum Beispiel gegen Impotenz, Haarausfall und Übergewicht - gefälscht worden seien, gingen Kriminelle immer häufiger dazu über, auch lebenswichtige Medikamente wie Produkte gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs, Psychopharmaka und Antibiotika zu fälschen.
Im Umlauf sind verschiedene Arten von Arzneimittel-Fälschungen: So zum Beispiel Medikamente, die zwar den richtigen, aber entweder zu hoch oder zu niedrig dosierten Wirkstoff enthalten. Andere gefälschte Ware enthält einen anderen als den angegebenen Wirkstoff - oder eben gar keinen. Auch umverpackte Arzneimittel, Medikamente mit einem verlängerten Verfallsdatum, gefälschten Verpackungen oder Beipackzetteln gelten als Fälschung.
In den Apotheken hierzulande tauchten hingegen so gut wie keine Fälschungen auf, betonte Linz: Von 1996 bis 2007 habe das Bundeskriminalamt nur 38 Fälle von Arzneimittelfälschungen in der Vertriebskette vom Hersteller bis zum Apotheker festgestellt. Auch der Versandhandel von deutschen Apotheken sei sicher, erklärte Linz: "Allerdings ist es für Verbraucher schwierig, zwischen einem seriösen und einem kriminellen Versandhändler zu unterscheiden."
Seriöse Versandanbieter geben im Impressum den Namen des Inhabers und die Anschrift der Apotheke an. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken vergibt zudem das Gütesiegel "Sichere Versandapotheke", das im Internet meist gleich auf der Startseite erscheint.
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