Bischof Fürst kritisiert Haltung Schavans zur Stammzell-Forschung

Passau (AFP) — Der Leiter der Bioethik-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst, hat eindringlich vor einer Verschiebung des Stichtags zur Stammzellforschung gewarnt. Vor der Bundestagsentscheidung am Freitag betonte Fürst in der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe), die Gewinnung menschlicher Embryonen sei "nur möglich, indem menschliche Embryonen getötet werden". Es könne "keinen Zweck geben, der eine solche Tat rechtfertigt", sagte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Wer den Stichtag verschiebe, schaffe einen neuen Anreiz, "um doch wieder Embryonen gezielt zu erzeugen".

Kritik äußerte Fürst an Bundesforschungsministerium Annette Schavan (CDU). "Dass sie ohne Not eine neue Stichtagsregelung sucht, das verstehe ich nicht. Und das kann ich auch nicht billigen." In der Bioethik sei eine gewisse Entfremdung zwischen Union und Kirche eingetreten, sagte der Bischof. "In diesen Fragen sind uns die Grünen näher als die CDU." Fürst kritisierte auch die Haltung der Evangelischen Kirche. Dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, sich für eine Verschiebung des Stichtags einsetze, bedauere er sehr. "Wenn er jetzt einen Stichtag akzeptiert, dann akzeptiert er auch einen abgestuften Schutz menschlichen Lebens."

Auch der Bioethik-Experte der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Peter Liese (CDU), wandte sich gegen eine Stichtagsverlegung. Eine Aufweichung des Embryonenschutzes könne "international schwerwiegende Folgen haben", erklärte Liese in einer vom Bundesverband Lebensrecht verbreiteten Stellungnahme im Rahmen der Initiative www.deine-stammzellen-heilen.de. Viele Staaten orientierten sich in ihrer Gesetzgebung an Deutschland. Sogar der US-Kongress beziehe sich oft auf die strenge deutsche Regelung, wenn es um Fortpflanzungsmedizin und Embryonenschutz in der Forschung gehe.

Schon bisher sei aber die Ausnahme für den Import embryonaler Stammzellen nicht leicht zu vermitteln gewesen, betonte Liese: "Von den europäischen Partnern wurde dies oft als Doppelmoral bezeichnet." Wenn der Bundestag nun den Stichtag verschiebe, sei "dieser Doppelmoralvorwurf natürlich nur noch sehr schwer zu entkräften".

Der Bundestag will am Freitag über vier verschiedene Entwürfe zum Stammzellgesetz abstimmen. Der von Schavan unterstützte Gesetzentwurf sieht vor, dass deutsche Forscher embryonale Stammzellen verwenden dürfen, die im Ausland vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden. Dies würde deutschen Forschern auch Zugang zu Zelllinien ermöglichen, die nach dem bisherigen Stichtag 1. Januar 2002 entstanden sind.