Chinas Polizei geht gegen Buddhisten in Tibet vor

Dharamsala (AFP) — Chinesische Sicherheitskräfte haben nach Angaben von Exil-Tibetern Feiern buddhistischer Mönche in Tibet aus Anlass einer Preisverleihung an den Dalai Lama in den USA gewaltsam beendet. Mitarbeiter der tibetischen Exilregierung in der indischen Stadt Dharamsala teilten mit, die Polizei habe tausende Mönche in zwei Klöstern in Lhasa eingesperrt, um sie an Feiern in der Öffentlichkeit zu hindern. Der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, hatte vergangene Woche in Washington die Goldmedaille des US-Kongresses bekommen und war von Präsident George W. Bush empfangen worden.

Der gemeinsame öffentliche Auftritt von Präsident Bush mit dem Dalai Lama hatte zu schweren Verstimmungen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen geführt. Chinas Außenminister Yang Jiechi bestellte den US-Botschafter in Peking ein, um gegen die Würdigung des Exil-Oberhaupts der Tibeter zu protestieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Dalai Lama in Berlin empfangen und sich scharfe Kritik aus Peking eingehandelt.

China marschierte 1951 in Tibet ein. Der Dalai Lama flüchtete nach einem gescheiterten Aufstand 1959 nach Indien. Die Exil-Tibeter in Dharamsala berichteten, die Mönche in Lhasa hätten mit rituellen Waschungen die Auszeichnung des Dalai Lama feiern wollen. Die Geistlichen seien daraufhin reihenweise festgenommen und von der Polizei verhört worden. Am Tag der Preisverleihung in Washington hätten die chinesischen Behörden außerdem die Internetverbindungen nach Tibet gekappt.