Berlin (AFP) — Mit Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr hat der größte Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn begonnen. Ab Donnerstag müssen Bahnfahrer dann mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen, wenn der Ausstand auf den ausgeweitet wird. Die Bahn stellte Ersatzfahrpläne auf, durch die im Fernverkehr etwa zwei Drittel und im Nah- und S-Bahn-Verkehr etwa die Hälfte der Züge fahren sollen. Der Konzern forderte die Lokführergewerkschaft GDL zu Verhandlungen auf, stellte aber kein neues Angebot in Aussicht. Bundesregierung und Wirtschaft warnten vor den Streikfolgen.
Bahn-Logistik-Vorstand Norbert Bensel schloss Produktionsausfälle durch den Streik im Güterverkehr nicht aus. Die Besorgnis in der Industrie sei gewachsen, sagte Bensel. Die Bahn erwartet vor allem, dass der Güterverkehr im Osten nahezu zum Erliegen kommt. Der Streik hatte am Mittag begonnen und soll bis Samstagmorgen um 02.00 Uhr andauern. Auch der größte deutschen Hafen in Hamburg fürchtet schwere Folgen. "Wir rechnen mit Störungen, zumal wir die Reste vom letzten Streik noch nicht abgearbeitet haben", sagte eine Sprecherin der Hafenbehörde.
Die Arbeitsniederlegungen im Personenverkehr sollen ab Donnerstagmorgen um 02.00 Uhr starten. Im Fernverkehr soll nach den Plänen der Bahn ein Großteil der ICE-Züge fahren. Bahnfahrer können sich über die Ersatzfahrpläne im Internet unter www.bahn.de/aktuell oder über die kostenlose Hotline 08000-996633 informieren.
Die Bundesregierung warnte vor den volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Lokführerstreiks. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg appellierte an die Bahn und die GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, der Streiks werde Schlüsselbranchen der Volkswirtschaft "massiv treffen". Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, nannte den Streik "verantwortungslos". Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild"-Zeitung: "Zigtausenden Beschäftigten droht Kurzarbeit, weil der Nachschub fehlt."
Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) warnte, dass bei einem unbefristeten Streik im schlimmsten Fall sogar ein Schaden für die deutsche Volkswirtschaft von ein bis zwei Milliarden Euro pro Tag drohe. Für den Fall, dass die Bahn der Gewerkschaft kein neues Angebot vorlegen sollte, hat die GDL mit einem unbefristeten Streik gedroht.
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