Tallinn (AFP) — Entgegen den Wünschen der EU hat Estland ein bilaterales Visa-Abkommen mit den USA geschlossen. Der estnische Innenminister Juri Pihl und US-Heimatschutzminister Michael Chertoff unterzeichneten die Vereinbarung in Tallinn. Sie ermöglicht den Bewohnern der Baltenrepublik die Einreise in die USA ohne Visa. Estnischen Angaben zufolge soll die Regelung zwischen August und November in Kraft treten. Im Laufe des Tages will Chertoff ins benachbarte Lettland weiterreisen, um dort ein ähnliches Abkommen zu unterzeichnen.
Die EU-Kommission bewertet die bilateralen Reiseabkommen kritisch, da sie für alle Mitgliedsstaaten einheitliche Verhandlungen und Regelungen befürwortet. EU-Innenkommissar Franco Frattini hatte am Dienstag angekündigt, er werde die Visa-Vereinbarungen beim EU-Justizministerrat am Donnerstag in Slowenien auf die Tagesordnung setzen, an dem auch Chertoff teilnimmt.
Bisher können die Bürger von 15 EU-Staaten ohne Visa in die USA reisen, darunter Deutschland. Für zwölf Staaten, hauptsächlich ehemals kommunistisch regierte Neumitglieder aus Osteuropa, besteht weiterhin Visums-Pflicht. Die EU-Kommission will stellvertretend für die gesamte Union ein einheitliches Abkommen aushandeln.
Nach Angaben eines litauischen Diplomaten in Brüssel hoffen zudem Litauen, die Slowakei und Ungarn auf den Abschluss von Visa-Abkommen mit den USA noch in dieser Woche. In der vergangenen Woche hatte Tschechien den Anfang gemacht.
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