McCain attackiert im US-Wahlkampf Deutsche und Russen

Washington (AFP) — Im US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt der republikanische Kandidat John McCain Deutsche und Russen aufs Korn: Der US-Senator bezeichnete Russland als autokratischen Staat, der auf einem "sehr schlechten Weg" sei. Im Zusammenhang mit dem umjubelten Berliner Auftritt seines demokratischen Rivalen Barack Obama hatte ein McCain-Sprecher zuvor von "kriecherischen Deutschen" gesprochen, denen der demokratische Kandidat bei seinem Europa-Besuch den Vorzug vor verletzten US-Soldaten gegeben habe.

Der ehemalige russische Präsident und jetzige Ministerpräsident Wladimir Putin und seine Regierung hätten Russland "auf einen sehr schlechten Weg gebracht", sagte McCain dem US-Fernsehsender ABC auf die Frage nach seiner Forderung, Russland aus der G-8 auszuschließen. "Es ist eine Autokratie geworden."

Es genüge schon, einen Blick auf die vergangene Woche zu werfen: "Sie haben ihre Öllieferungen an Tschechien reduziert, weil die Tschechen mit uns ein Abkommen geschlossen haben", sagte der Senator aus Arizona mit Blick auf den in Tschechien geplanten US-Raketenschild. Russland habe auch den Ölkonzern BP aus dem Land gedrängt. Zudem übe Moskau starken Druck auf die Ukraine und Georgien aus und blockiere im UN-Sicherheitsrat Maßnahmen gegen den Iran. "Wir wollen, dass sich Russland international besser benimmt, und wir haben jedes Recht, dies zu erwarten", sagte McCain.

McCains Sprecher Tucker Bounds attackierte den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Obama scharf, weil dieser sich bei seinem Deutschland-Besuch nicht mit US-Soldaten getroffen hat. Dies zeige die mangelnde Erfahrung Obamas, sagte Bounds dem Sender Fox News. Der Senator aus Illinois ziehe einen "Haufen kriecherische Deutsche" einem Besuch bei verwundeten Truppen vor, sagte der McCain-Sprecher in Anspielung auf Obamas umjubelte Rede vor der Berliner Siegessäule. Auch in einem frisch geschalteten TV-Wahlkampfspot griff das McCain-Lager das Thema auf.

Obama hatte einen für vergangenen Freitag geplanten Abstecher in das US-Militärkrankenhaus in Landstuhl kurzfristig abgesagt. Nach Angaben eines Sprechers änderte der Senator seine Pläne, weil er den Besuch nicht zu einem Wahlkampftermin machen wollte. Auch das US-Verteidigungsministerium hatte Bedenken angemeldet. In Afghanistan und im Irak hatte Obama sich zuvor mit Truppen getroffen, war dort allerdings Teil einer offiziellen Kongressdelegation.