Havanna (AFP) — Nach fast 50 Jahren an der Spitze seines Landes hat Kubas Staatschef Fidel Castro seinen Rücktritt angekündigt. Er wolle das Präsidentenamt sowie die Armeeführung nach der Staatsratswahl am Sonntag nicht mehr übernehmen, schrieb der 81-Jährige in einer Kolumne in der kommunistischen Parteizeitung "Granma". Als sein Nachfolger wird sein jüngerer Bruder Raúl gehandelt. Er hatte wegen einer schweren Darmoperation Fidels im Juli 2006 die Regierungsgeschäfte vorerst übernommen. US-Präsident George W. Bush äußerte die Hoffnung auf einen demokratischen Übergangsprozess.
"Meinen geliebten Landsleuten (...), sage ich, dass ich die Ämter des Präsidenten und des Oberbefehlshabers weder anstrebe noch annehmen werde", schrieb Fidel Castro in seiner im Internet veröffentlichten Kolumne mit Blick auf die bevorstehende Staatsratswahl. Der Revolutionsführer bleibt aber weiter Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Kubas "Máximo Líder" hatte sich vor gut anderthalb Jahren wegen einer schweren Darmoperation von der politischen Bühne zurückgezogen.
Castro stand dem Staatsrat seit seiner Gründung 1976 vor. De facto führte er aber bereits seit seinem triumphalen Einzug in Hauptstadt Havanna 1959 die Staatsgeschäfte in Kuba. Noch im Januar hatte sich Castro in die neue Nationalversammlung wählen lassen. Am Sonntag bestimmt die neue Nationalversammlung auf der konstituierenden Sitzung aus ihrer Mitte den Staatsrat, der wiederum den Staats- und Regierungschef wählt. Als aussichtsreichster Kandidat für das Präsidentenamt gilt nun Raúl Castro.
Seit seiner Erkrankung vor gut anderthalb Jahren trat Fidel Castro nicht mehr in der Öffentlichkeit auf, von ihm wurden aber regelmäßig Artikel und Videos veröffentlicht. Er wolle sich auch weiter zu Wort melden und "als Soldat der Ideen weiterkämpfen", kündigte er an.
US-Präsident Bush begrüßte Castros Rücktritt: "Ich sehe das als Abschnitt des Übergangs und es sollte der Anfang eines demokratischen Übergangs für das Volk in Kuba werden." Ein Sprecher von EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel sagte in Brüssel, die Europäische Union sei bereit, mit Kuba "einen konstruktiven politischen Dialog zu führen". Ziel müsse aber "der friedliche Übergang zu einer pluralistischen Demokratie" sein.
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