Scholz kündigt Ausbildungsbonus für Betriebe an

Berlin (AFP) — Die Bundesregierung will mit der Zahlung eines Bonus an Betriebe besonders schwer vermittelbaren Jugendlichen zu einem Ausbildungsplatz verhelfen. "Wir wollen einen Ausbildungsbonus für zusätzliche Lehrstellen einführen, der gezahlt wird, wenn Bewerber, die schon lange vergeblich nach einem Ausbildungsplatz suchen und maximal einen Realschulabschluss haben, eingestellt werden", sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) der Zeitung "Welt am Sonntag". Der Bonus solle rund die Hälfte der Ausbildungsvergütung betragen und an die Betriebe gezahlt werden.

Scholz rechnet dem Bericht zufolge damit, dass mit dem Ausbildungsbonus rund 90.000 Altbewerber zusätzlich innerhalb der nächsten drei Ausbildungsjahre eine Lehrstelle erhalten. "Fast die Hälfte aller, die einen Ausbildungsplatz suchen, sind Altbewerber", sagte der SPD-Politiker. Kritik aus der Wirtschaft, viele Schulabgänger seien nicht mehr ausbildungsfähig, nannte Scholz "verzerrt". Man habe sich schon so daran gewöhnt, "dass viele Auszubildende erwachsen und oft auch Abiturienten sind, sodass andere Bewerber heute oft nur geringe Chancen bekommen", sagte der Minister.

Mit Blick auf den vielfach beklagten Mangel an qualifizierten Kräften sagte Scholz der Zeitung: "Wir haben im Großen und Ganzen keinen Fachkräftemangel, den wir nicht mit den in Deutschland lebenden Menschen beheben könnten." Zwar fehle es in einzelnen Branchen an qualifizierten Akademikern. "Aber da können wir passgenau reagieren", betonte Scholz. "Angesichts der vielen Arbeitlosen und derjenigen, die vergeblich eine Lehrstelle suchen, wäre es aber absurd, im großen Stil im Ausland nach Fachkräften zu suchen."

Die große Koalition hatte im Sommer eine Qualifizierungsoffensive beschlossen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das Programm des Arbeitsministers "Jugend - Ausbildung und Arbeit" bildet den Hauptteil dieser Qualifizierungsoffensive und soll kommende Woche im Kabinett beschlossen werden.