Berlin (AFP) — Die Pläne privater Versicherungskonzerne zur Vereinheitlichung des Krankenversicherungssystems in Deutschland stoßen bei den gesetzlichen Kassen und Ärzten auf Vorbehalte. Die Koexistenz von privater und gesetzlicher Versicherung sei im internationalen Vergleich einzigartig, erklärte die Bundesärztekammer. Es könne nicht angehen, einen einheitlichen Basistarif zu schaffen und gleichzeitig die Zusatzleistungen den privaten Versicherern vorzubehalten, betonten die Innungskrankenkassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte anlässlich des 125-jährigen Bestehens der gesetzlichen Krankenversicherung die Erwartung, dass die Kosten im Gesundheitskosten weiter steigen werden.
Der Vorsitzende des Ausschusses "Gebührenordnung" der Bundesärztekammer, Franz Gadomski verwies darauf, dass der Deutsche Ärztetag sich vor wenigen Wochen geschlossen gegen eine Angleichung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung gewandt habe. Probleme der gesetzlichen Versicherung ließen sich nicht durch eine Schwächung des PKV-Systems ausgleichen. Der Sprecher der Innungskrankenkassen, Joachim Odenbach, sagte der "Berliner Zeitung" zu dem Vorhaben einer Einheitsversicherung für alle: "Das läuft darauf hinaus, dass die Konzerne für einen möglichst niedrigen Basistarif kämpfen, der vielleicht noch die Krankenhausleistungen und den Hausarztbesuch umfasst, damit sie teure Zusatzleistungen anbieten können."
Klaus Jacobs vom Wissenschaftlichen Institut der AOK sagte dem Blatt, es sei zwar sinnvoll, die Trennung zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen aufzuheben und einen einheitlichen Markt zu schaffen. "Dann findet Wettbewerb statt und davon können die Versicherten nur profitieren." Ein Einheitstarif sei gerade deshalb aber "Quatsch".
Die Grünen begrüßten demgegenüber den Vorstoß aus der Versicherungswirtschaft zum Umbau der Krankenversicherung. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Birgitt Bender erklärte, nunmehr hätten auch die privaten Versicherer erkannt, "dass ein geteilter Versicherungsmarkt langfristig keinen Sinn hat".
Die Teilhabe am medizinischen Fortschritt der Zukunft werde "nicht billiger werden", sagte Merkel beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der gesetzlichen Krankenversicherung. Es sei aber ein "Irrglaube", anzunehmen, dass allein durch eine bessere Effizienz mittelfristig die Gesundheitskosten gesenkt werden könnten. "Das hat mit dem Gesundheitsfonds, dem Manches in die Schuhe geschoben wird, nichts zu tun", betonte die Kanzlerin. Merkel bekräftigte, dass der Gesundheitsfonds wie geplant am 1. Januar 2009 kommen werde.
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