Seoul (AFP) — Nordkorea hat die USA des Vertragsbruchs bezichtigt und als Reaktion darauf die Wiederinbetriebnahme seines Atomreaktors in Yongbyon angekündigt. Pjöngjang treffe derzeit "gründliche Vorbereitungen" für einen Neustart der Anlage, sagte der ranghohe nordkoreanische Diplomat Hyon Hak Bong. Die US-Regierung habe ihre im Zuge der sogenannten Sechser-Gespräche über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms abgegeben Zusagen nicht erfüllt. Ein Sprecher des US-Außenamts erklärte in Washington, Nordkorea nähere sich "immer mehr" dem Punkt, dass Yongbyon wieder anlaufen könne.
Die Arbeiten zur Reaktivierung des Atomreaktors hätten bereits begonnen, sagte Hyon beim Überqueren der Demarkationslinie am 38. Breitengrad. Er sprach im Dorf Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea auch mit einer südkoreanischen Delegation über weitere Energielieferungen für Nordkorea.
Das Außenministerium in Pjöngjang bestätigte später, dass die Vorbereitungen für das Hochfahren des Reaktors "seit einiger Zeit" im Gange seien. Dies sei eine Reaktion auf Washingtons Weigerung, Nordkorea von seiner Liste der "Schurkenstaaten" zu nehmen. Ein nordkoreanischer Außenamtssprecher sagte: "Jetzt, da die US-Regierung ihr wahres Gesicht gezeigt hat, wünscht die Demokratische Volksrepublik Korea weder eine Streichung von der Liste der 'staatlichen Terrorismus-Unterstützer' - noch rechnet sie damit."
Der Sprecher des US-Außenamts sagte mit Blick auf eine mögliche Inbetriebnahme des Reaktors: "Sie sind noch nicht an dem Punkt, und wir wollen auch nicht, dass sie an den Punkt gelangen." Nordkorea habe die Wahl, bessere Beziehungen weltweit zu bekommen oder isoliert zu bleiben.
Washington fordert eine strikte Überwachung der nordkoreanischen Atomanlagen durch externe Beobachter, bevor es Nordkorea von der Liste streicht. Der knapp hundert Kilometer nördlich von Pjöngjang gelegene Reaktor in Yongbyon war im Sommer des vergangenen Jahres nach Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) abgeschaltet worden, was die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) im Juli 2007 bestätigte. In Yongbyong wurde Plutonium produziert, das Nordkorea für den ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte.
Im Gegenzug für die schrittweise Aufgabe seines Atomprogramms sollte Nordkorea etappenweise mit Energielieferungen, Aufhebung der gegen Pjöngjang verhängten Sanktionen und internationaler Aufwertung entschädigt werden.
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