Hamburg (AFP) — Die deutsche Industrie hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, für ein besseres Verhältnis zu China zu sorgen. "Nach den Verstimmungen der letzten Wochen benötigen wir einen konstruktiven Dialog", sagte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der "Financial Times Deutschland": "Ich vertraue darauf, dass die Bundesregierung an einer auf Partnerschaft und gegenseitigem Respekt ausgerichteten China-Politik festhalten wird", sagte Thumann.
Auch in der Finanzbranche wächst die Kritik an Merkels China-Politik. "Es gibt natürlich das Menschenrechtsthema, aber auf der anderen Seite haben wir klare wirtschaftliche Interessen", sagte ein ranghoher Vertreter einer großen deutschen Bank der Zeitung: "Man muss aufpassen, dass man den Fuß in der Tür behält."
Allerdings gibt es auch Unterstützung für Merkels Kurs gegenüber Peking. "Gegenüber China darf man nicht nervös werden, sondern man muss Entschlossenheit zeigen", sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels, der Zeitung: "Es gibt keinen Grund für uns, einen Kotau vor China zu machen." Die wirtschaftlichen Beziehungen zu China seien langfristig ausgerichtet und stabil genug, um "kurzfristige politische Verstimmungen auszuhalten".
Merkel hatte im September im Berliner Kanzleramt das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, den Dalai Lama, empfangen, und damit für Verstimmung in Peking gesorgt. Die Volksrepublik wirft dem Dalai Lama vor, die Unabhängigkeit Tibets von China anzustreben. Die chinesische Regierung sagte daraufhin eine Reihe bilateraler Termine ab.
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