Badende neben Mädchenleichen: Fotograf nimmt Stellung

Rom (AFP) — Die veröffentlichten Aufnahmen von gleichgültigen Badegästen neben den Leichen zweier ertrunkener Roma-Mädchen am Strand von Neapel geben nach Angaben des Fotografen die Situation nicht angemessen wieder. Er habe mehrere Bilder von dem Vorfall gemacht, nicht auf allen seien nur ungerührte Menschen zu sehen, sagte der Fotograf Alessandro Garofolo der Nachrichtenagentur AFP. Er habe auch Menschen abgelichtet, die offensichtlich bestürzt gewesen seien oder beim Tragen der Särge geholfen hätten.

Ein Motiv mit gleichgültig wirkenden Sonnenbadenden war von zahlreichen europäischen Zeitungen veröffentlicht worden und hatten eine Debatte über das Verhalten der Badegäste ausgelöst. Es zeigt sich sonnende und telefonierende Touristen neben den beiden mit Handtüchern bedeckten Leichen einer 14- und einer 16-Jährigen.

"Auf dem Foto, das von ausländischen Zeitung ausgewählt wurde, scheinen alle gleichgültig zu sein", sagte der 30-Jährige, der für die Mailänder Tageszeitung "Il Mattino" arbeitet. "In der Tat verhielt sich nur etwa die Hälfte der anwesenden Menschen so, als sei nichts passiert, viele halfen oder verließen den Strand nach dem Unfall." Auch hätten mehrere Strandgäste versucht, die beiden Mädchen aus dem Wasser zu retten. Zudem wirkten die gleichgültig sonnenbadenden Urlauber durch das verwendete Kameraobjektiv näher an den Leichen, als sie es in Wirklichkeit gewesen seien, sagte Garofolo weiter.

Nach Informationen der Zeitung "Il Corriere della Sera" hatten Badegäste vergeblich versucht, die beiden Mädchen vor dem Ertrinken zu retten. Nachdem die Leichen an den Strand gezogen wurden, ließ der Anblick der mit Badehandtüchern bedeckten Toten einige Urlauber offenbar ungerührt. Bis zur Ankunft des Leichenwagens eine Stunde später seien sie unbeirrt ihren Strandbeschäftigungen nachgegangen. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hatte sich empört über die Gleichgültigkeit der Badegäste geäußert.