London/Paris (AFP) — Für Bahnfahrer liegen London und Paris seit Mittwoch nur noch zweieinviertel Stunden auseinander. Die ersten fahrplanmäßigen Eurostar-Züge aus dem frisch renovierten Bahnhof im Londoner Stadtteil St. Pancras fuhren am Mittag nach Paris und nach Brüssel ab. Um dem Eisenbahnerstreik in Frankreich zu entgehen, setzte die Eurostar-Gesellschaft nur britisches Personal ein. Auf französischer Seite fährt der Eurostar schon seit 1994 mit rund 300 Stundenkilometern, die britische Strecke wurde erst jetzt für dieses Tempo ausgebaut.
Die neue Verbindung zwischen dem Pariser Nordbahnhof und dem Bahnhof St. Pancras in London ist 20 Minuten schneller als bislang. "Es gibt nichts, was schneller, sicherer und umweltfreundlicher wäre", sagte ein Unternehmensberater namens Jean-Marie, der öfter zwischen den beiden Hauptstädten pendelt und am Pariser Nordbahnhof den ersten regulären Zug auf der neuen Strecke nahm.
Laut Eurostar verursacht die Fahrt im Zug pro Fahrgast zehnmal weniger Treibhausgas als das Fliegen. Das Unternehmen rühmte sich damit, dass es als erste Bahngesellschaft "klimaneutrale" Verbindungen anbiete: Als Ausgleich für die entstehenden Treibhausgase beteilige sich die Firma an Umweltprogrammen, ohne dass die Fahrgäste mehr dafür bezahlen müssten.
Der Ausbau der Strecke in Großbritannien sowie die Renovierung des britischen Bahnhofes hatten 5,8 Milliarden Pfund (8,4 Milliarden Euro) gekostet. Vergangene Woche weihte Königin Elizabeth II. den neuen Kopfbahnhof in der Londoner Innenstadt ein. Laut Eurostar sind für die Zeit bis Ende März schon eine Million Tickets verkauft.
Frankreich hatte die Bahnstrecke bis zum Ärmelkanal schon 1993 für seinen Hochgeschwindigkeitszug TGV ausgebaut. Der damalige Staatschef François Mitterrand spöttelte seinerzeit, hinter dem Tunnel könnten die Fahrgäste dann "bei sehr niedriger Geschwindigkeit träumen" und die britische Landschaft bewundern.
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