Köln (AFP) — Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat die europäischen Staaten zu einem harten Kurs gegenüber Russland aufgefordert. Die Vorgänge in Abchasien und Südossetien unterminierten die gesamte Ordnung in Europa, sagte Saakaschwili im Deutschlandfunk. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges habe eine große europäische Macht versucht, "Teile des Gebietes eines Nachbarlandes zu annektieren". Wenn Russland jetzt damit durchkomme, dann werde es an anderen Orten weitergehen. Unterdessen forderten die Präsidenten Estlands, Lettlands und Polens eine Ausweitung der europäischen Hilfe für Georgien.
"Die denken, Europa wird jetzt ein bisschen Lärm machen, und nach einer Weile ist alles wieder vergessen", sagte Saakaschwili weiter. Europa müsse daher zeigen, dass es sich nicht fürchte. Schließlich sei Russland trotz seiner großen Energievorkommen wesentlich abhängiger von Europa, als dies umgekehrt der Fall sei. Russland sei "noch immer eine sehr unterentwickelte Gesellschaft", sagte Saakaschwili. Die russischen Soldaten in Georgien seien "hungrig" und "völlig mittellos" gewesen. "Auch wenn Georgien kein besonders reiches Land ist, so sieht es für die doch europäisch aus", sagte der georgische Präsident.
Von der Europäischen Union erwartet Saakaschwili außerdem "eine starke Unterstützung beim Wiederaufbau". Außerdem sei eine internationale Friedenstruppe nötig, um die Georgier vor "weiteren russischen Aggressionen" zu schützen. Ferner müssten "hunderttausende Menschen, die aus Abchasien und Südossetien hinausgeworfen wurden, in Sicherheit wieder zurückkehren können".
Der georgische Präsident gab erneut Moskau die Schuld an der Eskalation des Konfliktes. Dies habe schon vor vielen Jahren begonnen, als Russland Pässe an die Menschen in Südossetien und Abchasien ausgegeben habe. "Wir haben die Welt monatelang vor einem russischen Angriff gewarnt." Mit Blick auf die künftigen Beziehungen zwischen Russland und Georgien sagte der Präsident jedoch: "Wir hassen niemanden, und gewiss nicht die Russen. Langfristig werden wir mit den Russen keine Probleme haben."
"Georgien benötigt Europas Hilfe, um sich von der Zerstörung des Krieges zu erholen", erklärten Toomas Hendrik Ilves, Valdis Zatlers und Lech Kaczynski nach ihrem Treffen in der estnischen Hauptstadt Tallin. Außerdem sprachen sich dafür aus, internationale Beobachter in die Krisenregion zu entsenden. Der verhinderte litauische Staatschef Valdas Adamkus schickte einen ranghohen Vertreter zu dem Treffen.
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