Deutscher Grünberg bekommt Physiknobelpreis

Stockholm (AFP) — Zwei Jahre nach dem Laserphysiker Theodor Hänsch ist wieder ein Deutscher mit dem Physik-Nobelpreis geehrt worden: Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich und der Franzose Albert Fert erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstandes (GMR). Auf dem Effekt beruhende Anwendungen hätten die Technik zum Lesen von Festplatten-Informationen "revolutioniert", erklärte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm. Grünberg zeigte sich "hocherfreut" über den Preis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Grünberg, auch Bundespräsident Horst Köhler schickte Glückwünsche.

"Dieses Jahr zeichnet der Nobelpreis für Physik eine neue Technik aus, mit der die auf Computer-Festplatten gespeicherten Datenmengen ausgelesen werden", erklärte die Königlich Schwedische Akademie. Der Effekt ermöglichte die Entwicklung neuer Leseköpfe in kleinen Computerfestplatten und die deutlich bessere Nutzung kleinster Magnetzellen eines Speichermediums. Dadurch konnte die Speicherkapazität der Laufwerke nicht nur für PCs, sondern auch für Videorecorder und MP3-Player in den Gigabyte-Bereich gesteigert werden.

Der Anruf des Komitees "war einerseits überraschend, andererseits aber auch nicht", sagte Grünberg in Jülich. Die Nachricht habe ihn in seinem Büro erreicht. Auf die Frage, ob es sich lohne, in Deutschland zu forschen, sagte Grünberg: "Ja, auf jeden Fall." Auch Fert zeigte sich gegenüber dem schwedischen Rundfunk "sehr glücklich".

Grünberg, der am 18. Mai 1939 in Pilsen im heutigen Tschechien geboren wurde, arbeitet am Forschungszentrum Jülich. Der ein Jahr ältere Fert ist an einer Sonderforschungseinheit der Pariser Universität und des Unternehmens Thales tätig. Beide entdeckten den GMR-Effekt unabhängig voneinander 1988.

Merkel erklärte in Berlin, der Preis zeige, "wie Grundlagenforschung dann auch zu täglicher Anwendung führt". Bundespräsident Köhler schrieb in einem Glückwunschschreiben: "Sie haben mit Ihrer Forschung dazu beigetragen, den Alltag und die Arbeit vieler Menschen zu vereinfachen."

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,42 Millionen Euro) dotiert. Zum Auftakt waren am Montag die Mediziner Mario Capecchi, Oliver Smithies und Martin Evans für die Entdeckung der Knockout-Maus ausgezeichnet worden. Nach Physik folgt am Mittwoch die Auszeichnung für Chemie.