Berlin (AFP) — Ein gefährliches blutverdünnendes Medikament ist in Deutschland vom Markt genommen worden. Heparin für Injektionen der Firma Rotexmedica sei wahrscheinlich durch Wirkstoffe eines chinesischen Herstellers verunreinigt gewesen, sagte Ulrich Hagemann vom Bundesinistitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es könne bei den Patienten allergische Reaktionen auslösen. In den USA werden aus China gelieferte Wirkstoffe für Heparin-Injektionen in Zusammenhang mit mindestens 19 Todesfällen gebracht. Ein Mitarbeiter von Rotexmedica wollte sich wegen "andauernder Untersuchungen" nicht zu dem Fall äußern.
Das betroffene Heparin wird in Form von Injektionen zum Beispiel zur Verhinderung von Thrombosen bei Operationen verwendet. Hagemann, Abteilungsleiter für Arzneimittelüberwachung des BfArM, sagte, es bestehe der "dringende Verdacht einer Verunreinigung". Die Wirkstoffe seien aus China geliefert und möglicherweise auch in Österreich und Frankreich auf den Markt gebracht worden. Der Rückruf sei am Mittwoch vom schleswig-holsteinischen Landesamt für soziale Dienste angeordnet worden. Der Rotexmedica-Mitarbeiter konnte zum Ausmaß der Rückrufaktion bisher keine Angaben machen.
Die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelsicherheit (FDA) hatte am Donnerstag die Befürchtung geäußert, "dass diese verunreinigende Substanz sich in Heparin auf der ganzen Welt befindet, und wir wollen sicher sein, dass diese Substanz aus allen Heparin-Chargen entfernt wird". FDA-Vizechefin Janet Woodcock hatte diese Befürchtung mit der Erkenntnis begründet, dass die gefährliche Substanz in den deutschen Heparin-Mitteln offenbar nicht vom selben Zulieferer kamen, der in den USA die Pharmafirma Baxter beliefert hatte. Heparin wird aus Schweineinnereien hergestellt, der Baxter-Lieferant Scientific Protein Laboratories (SPL) bezieht die Grundzutaten aus China. Der Mitarbeiter von Rotexmedica konnte keine Angaben dazu machen, welche chinesischen Firmen Substanzen für das in Deutschland vertriebene Heparin geliefert hatten.
Die FDA bringt verseuchtes Heparin mit mindestens 19 Todesfällen in Zusammenhang. Insgesamt gebe es 785 Berichte über ernste Gesundheitsprobleme nach dem Einsatz der Blutverdünners. Von 46 Todesfällen seien offenbar 19 von dem verseuchten Heparin der Firma Baxter hervorgerufen worden, sagte Woodcock. In Deutschland gab es nach Angaben des BfArM drei Fälle von Problemen nach der Injektion von Heparin. Die FDA betonte, der ursächliche Zusammenhang zwischen dem verunreinigten Medikament und den Todesfällen müsse noch nachgewiesen werden. Allerdings sei bei allen Problemberichten ohne Ausnahme Heparin mit Wirkstoffen aus China betroffen gewesen.
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